Großfahrt des MTA’62 vom 19. – 27.05.18 nach Slowenien

Aus der Comfortzone – Raus in die Welt

 

Raus aus dem warmen, kuscheligen Schlafsack, in morgendlicher Ruhe das Schoko-Frucht-Porridge genießen, Abspülen am benachbarten Fluss, das „Zuhause“ ein weiteres Mal abgebaut dann raus in die Welt.

Grießbrei futternd sitzen wir in Ljubljana hinter einem Scout Home auf dem Gelände einer Grundschule. Es herrscht große Pause und nach und nach sind wir umringt von neugierig blickenden Kindern, die offenbar keine Scheu vor den komischen, fremden auf ihrem Schulhof um einen Topf sitzenden Menschen haben. Da wir kein Wort slowenisch sprechen, aber dennoch Bereitschaft zur Kontaktaufnahme auf beiden Seiten besteht, versuchen wir unser Glück mit Gesten und Namen. Kaum haben wir den Namen Anna-Lena ausgesprochen, bricht unter der sich immer vergrößernden Ansammlung vor uns ein wildes Durcheinander aus. Auf einmal sind alle Kinder verschwunden. Kurze Zeit später kehren sie zurück mit einem in rosa gekleideten Mädchen. Wild gestikulierend schütteln sie es, deuten mit ihren kleinen Zeigefingern auf es und rufen ganz aufgeregt „Anna-Lena, Anna-Lena!“. Wir müssen grinsen.

Nicht nur in märchenhafter Kulisse zwischen uralten moosbewachsenen Bäumen und weichem durchnässtem Waldboden ertönt ein fröhliches „Bangalou“ (oder wahlweise auch „ happy Lama“) sondern auch im Bus, auf dem Wanderweg, im Supermarkt, mitten in Ljubljana oder auf dem Buchsbäumchen-Spießer-Campingplatz in Bled. Was einmal im Ohr ist, geht nie wieder heraus….

„Banner Zelte – Es geht um Frieden und dass wir nicht gegen einander kämpfen sollten“ erklären wir Bobi dem Maler auf Englisch. Er ist ein älterer Künstler mit grauem Bart und Mütze – wie aus dem Bilderbuch. Während er den in schwarze Tinte getauchten Pinsel über das Papier fahren lässt, sieht er uns immer wieder an. Dabei muss er schmunzeln und tiefe Lachfalten graben sich in sein Gesicht. Als Dankeschön für unser kleines Lied, gibt er uns ein Abbild unserer Gruppe mit auf den Weg. Nur wenige Augenblicke später beginnt es zu regnen, aber wir sind trotzdem glücklich.

Vorbei an einer Lichtung stapfen wir bei einer leichten Brise mit Sack und Pack durch den Wald und genießen den Schatten. Schon nach einer Weile treffen wir unseren flüssigen Wegleiter wieder, die Soča. Ein kristallklares türkisblaues Band, welches sich mitten durch den Triglav Nationalpark und seine unzähligen Gipfel seinen Weg bahnt und dabei so unwirklich wie magisch erscheint.

Sie sind bunt angezogen und von orientalischen Tüchern umschlungen.
Sie tanzen die Straße entlang und wedeln mit ihren Fächern.
Sie singen aus voller Überzeugung und verbreiten Lebensfreude.
(Und sie haben Kekse!!)
Plötzlich und unerwartet fordern sie uns dazu auf, mitzumachen. So kommt es, dass wir uns anfangs etwas irritiert darauf einlassen mit einer Gruppe ganz und gar fremder aber gutgelaunter bunter Menschen zu tanzen. Die schönsten Dinge passieren offensichtlich meistens völlig ungeplant. Manchmal sogar mitten auf den Straßen der Innenstadt, umgeben von hunderten Touristen.

Auf einer der unzähligen Hängebrücken stehen (auf welchen man definitiv nicht hüfen sollte), die einzigartige Aussicht auf den Fluss, welche von einem Bilderrahmen aus frischem Blattgrün eingerahmt wird, betrachten, die Augen schließen und sich wünschen es wäre für immer.

All das sind wunderbare Momente und Begegnungen, die wir auf unserer Großfahrt erleben durften. Diese und viele mehr haben sie  zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht, welches wir gerne mit Euch teilen möchten.

 

Bericht: Lisa Ogrisseck